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Thomas Lanß verließ Perg um Karriere zu machen


Das Haus des Thomas Lansius
in Tübingen heute
Autor: Franz Pfeiffer
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Im Heimatbuch bezeichnete ihn Eibensteiner als „halbvergessenen Perger“, 2004 gewannen Harry Slapnicka und Franz Steinmaßl im Internet interessante Erkenntnisse über ihn und 2010 widmete ihm das Freie Radio Freistadt einen Beitrag im Rahmen der Serie „Berühmte Persönlichkeiten aus dem Mühlviertel“.

Die Rede ist von dem 1577 in Perg geborenen Wunderknaben Thomas Lanß. Dieser ließ sich nach mehreren Reisen durch zahlreiche europäische Länder und dem Studium an den Universitäten Marburg und Tübingen in Tübingen nieder, promovierte dort 1604 und heiratete die Tochter einer sehr prominente Familie.

Hof des Collegium Illustre,
heute Wilhelminenstift in Tübing
Er nannte sich fortan Thomas Lansius und war dort mehr als 50 Jahre Professor für Politik, Geschichte und Beredsamkeit am Collegium Illustre und mehr als 20 Jahre als Jus-Professor an der Universität Tübingen. Er wirkte als Berater dreier württembergischer Fürsten und Bibliothekar auf Schloss Hohentübingen und galt als das wandelnde Archiv des Stuttgarter Hofes. Er starb 1657 im Alter von 80 Jahren. Es wird ihm nachgesagt, dass er mäßig lebte und nur Wasser trank.

Eine Urlaubsreise an den Ursprung der Donau in den Schwarzwald führte uns 2013 nach Baden-Württemberg in die Nähe der Stadt Tübingen. Es lag nahe, einen Abstecher dorthin zu machen und eine Spurensuche im Zusammenhang mit dem „halbvergessenen“ Sohn unseres Marktes bzw. unserer Stadt Perg zu unternehmen.

Vorhalle der Stiftskirche
St. Georg in Tübingen,
links die Grabtafel des Thomas Lansius
Wir besichtigten das Haus, wo Lansius wohnte und warfen einen Blick in den Hof des Collegiums Illustre. In der der evangelischen Stiftskirche Tübingen entdeckten wir eine überdimensionale Grabtafel, die einzig dem emigrierten Sohn des österreichischen Marktes Perg gewidmet ist. In Perg fehlt bislang jegliches Erinnerungssymbol an ihn.


Der Text der in barockem blumigen Wortlaut
verfassten Inschrift lautet übersetzt:

„Unter dem göttlichen Schutz der Dreieinigkeit, auf der Südseite der Kirche hat seine einst wiederauflebende Asche niedergelegt der ehrwürdige hochbetagte Greis – einst ein Knabe von außerordentlicher Begabung, am 16. Februar 1577 in österreichisch Perg geboren – Herr Thomas Lansius, Rechtsgelehrter, leuchtendes Orakel der gelehrten Welt, Besucher Europas, dann Tübingens, dreier württembergischer Herzöge hochverdienter berühmter Berater, der Susanne Schnepf, die kinderlos blieb, und der Anna Maria Caspari, die eine Tochter gebar, bester Gatte und Vater. Ihm, der das erwählte unsterbliche Teil schon sein nennt, nachdem er am 22. Dezember 1657 hier gestorben, haben dies Denkmal treuer Liebe die Witwe, der Tochtermann und die Tochter, seiner Vorzüge eingedenk, gewidmet, ein seliges Wiedersehen erflehend“.