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Erkundung in Sachen Mühlsteine

Autor: Franz Moser

Eine Exkursion führte Mitarbeiter des Heimathauses und des Steinbrecherhauses in drei Zentren der historischen Mühlsteinhauerei nach Deutschland.

Jonsdorf: Mühlstein im Garten eines
typischen Jonsdorfer Umgebindehauses
Bei diesem interessanten Blick über den Tellerrand hinaus zeigt sich: Alle Produktionsstätten unterschieden sich hinsichtlich Material und Abbautechnik.

Jonsdorf bei Zittau in Sachsen, nahe der tschechischen Grenze, war das erste Ziel. Der dortige Sandstein ist durch einige Besonderheiten gekennzeichnet: er wurde durch vulkanischen Einfluss gehärtet (frittiert), wodurch seine Abriebfestigkeit verstärkt wurde und eine besondere Qualität ergab. Bis zu 90 Arbeiter bauten über 350 Jahre den Sandstein ab. Man hat auch viel exportiert, speziell nach England und Skandinavien, die Jonsdorfer haben sogar eine Niederlassung in St.Petersburg begründet. 1918 wurde allerdings auch hier der Betrieb eingestellt.


Mühlsteinhauer
um 1930 in Crawinkel
Das zweite Ziel war Crawinkel im Thüringer Wald, Landkreis Gotha. Hier gab es drei große Brüche einer porösen Porphyrart. Es wurden zunächst Steinblöcke aus dem Fels herausgehauen und dann erst zu runden Steinen bearbeitet. Abholung und Transport zur Bahn war Kinderarbeit. Angeblich wurden bis zu 1.000 Steine pro Jahr produziert. Beliefert wurde ganz Deutschland und es gab auch einen Export nach Russland und Skandinavien. Das Gewerbe ist 1519 das erste Mal urkundlich erwähnt. Der letzte Betrieb ist zu DDR-Zeiten in den 1950ern geschlossen worden. Heute gibt es dort ein Mühlstein-Museum, in dem man auch Fotos von den Perger Mühlsteinhauern finden kann.

Das dritte Ziel war Ramsau im Berchtesgadener Land. Der Ramsauer Mühlstein besteht aus miteinander verbackenen Geröllen verschiedener Gesteine und entstand aus den Schottern eines ehemaligen Flusses. Das Konglomerat ist sehr hart und grobporig, die Ränder dieser Poren sind scharf. Sie sind natürliche Schneiden, die sich beim Mahlen zum Teil selbst schärfen. Die Herstellung der Mühlsteine war bis ins 20 Jh. ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Ramsau. In den Steinbrüchen, von denen man kaum mehr etwas sehen kann, wurden die Mühlsteine direkt aus den Gesteinsvorkommen geschlagen oder mit quellendem Holz herausgesprengt. Zurück blieben die runden Hohlformen.
Konglomerat-Mühlstein in der Ramsau
Überall waren im Gegensatz zu Perg die Abbaustätten weit abgelegen und zerstreut, sodass die Mühlsteinhauer mühsame Anmarschwege hatten oder gleich die ganze Woche an ihrer Arbeitsstätte verbringen mussten.


Über die Geschichte der Zunft der Perger Mühlsteinhauer erzählen die Ausstellungen im Heimathaus und im Steinbrecherhaus – wir laden zum Besuch ein!