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Gedenktafel Völkerschlacht bei Leipzig

Autor: Franz Moser

Vor mehr als 200 Jahren waren die Franzosen in Perg und genau vor 100 Jahren enthüllte man 1913 auf dem Perger Rathaus eine Gedenktafel an die entscheidende Völkerschlacht bei Leipzig im Kampf gegen Napoleon.


Feindliche Franzosen in Perg


Auch Perg war von den Napoleonischen Kriegen betroffen. 1805/06 gab es eine Einquartierung von Tausenden Soldaten im Raum Perg und im Markt selbst. 1809 machte Oberst Scheibler mit seinem Stab Perg zu seinem Quartier, er wohnte im Haus Nr. 94 beim Lebzelter (heute Gasthof Lettner). 600 Soldaten der napoleonischen Armee wurden in Perg einquartiert, und die unfreiwilligen Gastgeber mussten auch für deren Verköstigung aufkommen. Dazu kam noch die Ablieferung von Getreide, Heu, Stroh und anderen Gütern. Die Mannschaft hatte im „Friesgarten“ (heute Kindergarten und Neue Mittelschule) gelagert. 


Der Anfang vom Ende Napoleons

Das Völkerschlachtdenkmal
in Leipzig ist das größte 

Denkmal Deutschlands
- 91 Meter hoch -
Einweihung ebenfalls 

am 18. Oktober 1913
Foto: C-M, CC-BY-SA

Die Völkerschlacht im Oktober 1813 war eine Entscheidungsschlacht. Bei Leipzig in Sachsen kämpften die Verbündeten Österreich, Preußen, Russland und Schweden gegen Napoleon Bonaparte.

Mit ca. 600 000 beteiligten Soldaten, davon 127.000 Österreicher, war es bis zu den Weltkriegen die größte Schlacht der Geschichte. Etwa 130 000 sind gefallen, darunter auch 14 000 Österreicher.



Patriotisches Gedächtnis


Viele Jahre wurden die Jubiläen der Völkerschlacht In Deutschland und Österreich als Befreiungsfeste gefeiert. In den folgenden Jahrzehnten wurden viele Denkmäler oder Gedenksteine errichtet. So wurde auch in Perg, genau 100 Jahre nach der Schlacht, dieses Ereignisses gedacht und im Rahmen einer Feierlichkeit eine Gedenktafel aus Granit enthüllt.

In der Chronik der Volksschule Perg findet sich die Beschreibung:

Am 17. Oktober wurde im Lehrzimmer der 6. Kl. Ein Lichtbildervortrag für die Schüler der 3. Kl. aufwärts gehalten, welcher Szenen aus dem großen Befreiungskriege u. der Völkerschlacht bei Leipzig enthielt. Die herrlichen Bilder stellte der deutsche Schulverein leihweise zur Verfügung. Den Apparat bediente Aushilfslehrer Anton Gollmann, den Text verlas Lehrer 1. Kl. Hans Fleischanderl.

Bis vor ca. 50 Jahren
an der Fassade des Rathauses
Am 18. Oktober nahm auch die Schuljugend an der von der Gemeinde Perg veranstalteten  Jahrhundertfeier teil. Um 7 h abends versammelten sich die Schüler, fast ausnahmslos mit Lampions versehen, …  Um ½ 8 h schmetterten die Fanfaren vom Rathause, welches herrlich beleuchtet war, den Ruf zum Anmarsche. Von allen Straßen bewegten sich Vereine mit Fackeln oder Lampions zum Rathause,… Nach der Musikweise: „Lützows wilde verwegene Jagd“ hielt Herr Bürgermeister Josef Dirnberger eine markige Festrede. Am Schlusse derselben fiel unter Pöllerknall der Vorhang von dem am Rathause angebrachten Gedenkstein aus Granit, auf welchem mit schwarzen Lettern zu lesen ist: 

Heute ist die Gedenktafel im
Granitpflaster vor dem
Heimathaus eingelassen
„Jahrhundertfeier der Völkerschlacht bei Leipzig 18./10 1813 – 18./10 1913.“

Nach einem Umzug aller Vereine u. Honoratioren durch die Herren= u. Badgasse löste sich die Ordnung, worauf in den verschiedenen Gasthäusern eine Nachfeier veranstaltet wurde. Das Fest war sehr sinnig, innig u. patriotisch.

Am Sonntag, den 19. pflanzte der Turnverein auf der Gemeindewiese nächst der Kinderbewahranstalt u. dem großen Spielplatze eine „Körner-Eiche“, wobei Schuldirektor Johann Stöckler die Weiherede hielt.

Der 1791 in Dresden geborene Carl Theodor Körner war ein patriotischer Dichter, der sich gegen die napoleonische Herrschaft richtete. Zudem war er Soldat in den Lützowschen Freikorps. Im Jahr 1813 starb er durch eine Gewehrkugel in Mecklenburg. In vielen Orten wurde eine solche Körner-Eiche gepflanzt. Es ist anzunehmen, dass diese Eiche dem Neubau der Hauptschule 1927 weichen musste.