Heimat- und Museumsverein Perg, Stifterstraße 1, 4320 Perg,
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Das Rätsel der "Berglitzl"

Archäologische Ausgrabungen im Bezirk Perg. Sonderausstellung im Heimathaus-Stadtmuseum Perg bis 29. Februar 2000.

Die laufende Sonderausstellung im Heimathaus-Stadtmuseum hat der Heimatverein anlässlich des 30 Jahr-Jubiläums der Stadt Perg eingerichtet.

Im Mittelpunkt der Schau stehen die Grabungsaktivitäten des OÖ. Landesmuseums im Bezirk Perg in den letzten 35 Jahren. Eine tonnenschwere Nachbildung eines Grubenspeichers aus der Bronzezeit steht im Zentrum des Ausstellungsraums und zieht den Blick des Besuchers sofort auf sich. Solche Speicher wurden auf der Berglitzl, einem der bedeutendsten Urgeschichtsdenkmäler Österreichs, entdeckt.

Manfred Pertlwieser und Dr. Vlasta Tovornik erforschten von 1965 bis 1974 den Hügel, der sich am Ufer der Gusen aus der Donauebene hervorhebt. Hier hinterließen die Menschen der Alt- und Jungsteinzeit, der Mondseekultur und der Bronzezeit ihre Spuren – eine Fülle von Exponaten bezeugt die handwerkliche Geschicklichkeit unserer Vorfahren und lässt ihre Lebensgewohnheiten erahnen.

Der "Schalenfels" aus der urzeitlichen Brandungszone als
Zentrum des 1974 nach Beendigung der Ausgrabungen
gestalteten "Berglitzl-Denkmals"
Etwa um 1500 v. Chr. vernichtete ein verheerendes Hochwasser das bewundernswürdige Gemeinschaftswerk von Generationen: es zerstörte den Uferschutz, die aus Felsblöcken gesetzten Terrassenstützmauern und die Steinfundamente der dicht stehenden Blockhäuser, sodass sie zum Einsturz kamen. Das Wasser holte sich das abgerungene Land mitsamt den wohlgefüllten Grubenspeichern mit einem Schlag zurück. Bald darauf ging das vom Wasser verschont gebliebene Siedlungsgebiet mitsamt dem Inventar in Flammen auf.

Die Berglitzl wurde auch in späteren Jahrhunderten immer wieder besiedelt, erreichte aber nie wieder die Bedeutung ihrer Hochblüte in der frühen Bronzezeit. In der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts wird sie zum Begräbnisplatz eingesickerter Slawengruppen. Das erforschte Gräberfeld lässt durchwegs heidnischen Bestattungsritus erkennen: Speise-, Gefäß- und Werkzeugbeigaben.

Die in der überregional bedeutenden Ausstellung gezeigten Funde, Rekonstruktionen, Fotos und Pläne dokumentieren auch alle anderen archäologischen Ausgrabungen im Bezirk Perg: „Heinrichsbruch“ bei Mauthausen (Altsteinzeit), Mitterkirchen (Jungsteinzeit und Hallstattzeit), Saxendorf, Gusen, Luftenberg, Grein (Bronzezeit) und Auhof (Hallstattzeit).


Zusammengestellt von Franz Moser