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Scheiterschwemme auf der Naarn

Mit den Schwalben kommen auch die Scheiter 
heißt ein altes Sprichwort, das beinahe in Vergessenheit geraten ist, uns aber an ein Stück Heimatgeschichte erinnert: die Holzschwemme entlang der Naarn. Die zu Beginn des 18. Jahrhunderts drohende Holznot in Wien gab den Anlass, sich mit der Frage der Ausnutzung der riesigen Wälder im Mühl- und Waldviertel zu befassen.

Eine der bedeutendsten Holzschwemmen war jene auf dem Naarnfluss. Das gewöhnlich auf Scheiterlänge geschnittene Holz wurde von den Wäldern im Einzugsbereich der Naarn bis Perg bzw. bis Mitterkirchen, Hütting, herausgeschwemmt. Die Holzschwemme gab alljährlich zahlreichen Perger Arbeiterinnen Gelegenheit, sich etwas Geld zu verdienen. Die Schwemme begann um Maria Verkündigung, dem erwarteten Tag der Schwalbenankunft, und dauerte ca. vier Wochen.

Im Jahre 1755 suchte gemeinsam mit anderen auch der Bierbräuer Johann Georg Hofbauer aus Perg um eine Bewilligung an, aus den herrschaftlichen Waldungen Scheiter auf dem Naarnfluss schwemmen und bei Hütting einen Rechen errichten zu dürfen. Dies wurde von der „Kaiserin“ Maria Theresia auch gewährt.

Die Holzschwemme wurde in der Folge sehr intensiv betrieben. Einem Bericht aus dem Jahr 1774 entnehmen wir, dass etwa 11000 Klafter eingeworfen wurden (1 Klafter = 2 - 3,5 rm, altes deutsches Raummaß für Brennholz). Noch bis zum zweiten Weltkrieg wurden jährlich 25000 bis 30000 Raummeter Schleifholz sowie harte und weiche Brennhölzer geschwemmt. Die letzte Naarntrift fand im Jahre 1938 statt. Dann musste der Betrieb als unrentabel eingestellt werden.

Ausspießen beim Vorbeirinnen
Die Technologie dieser Schwemme war ausgefeilt: Der 10 Joch große Rubener Teich (dort befindet sich heute der Ausgangspunkt für die Wanderung durch das Tannermoor) wurde seinerzeit zur Ermöglichung der Trift errichtet. Vom Fang bei Perg oberhalb der Kuchlmühle wurden die Scheiter reguliert zwischen 7 und 16 Uhr abgelassen.

Gruppenfoto vor den 2,5 m hohen Zainen
Auf dem Perger Holzplatz (heute „Schwemmplatzsiedlung“) mußten die Hölzer beim Vorbeirinnen ausgespießt und gleich sortiert werden. Die ausgespießten Hölzer wurden in 2,5 m hohen „Zainen“ geschlichtet. Das Schlichten der Kreuzstöße besorgten die sogenannten Kastenleger. Der Abtransport der Scheiter vom Perger Holzplatz erfolgte mit Pferdefuhrwerken, jene vom Kaindlauer Holzplatz auf dem Wasserweg in „Kelheimern“, Ruderfahrzeugen, die nach erfolgter Ausladung mit Pferden wieder gegenwärts gezogen wurden. 

Zusammengestellt von Franz Moser

Quelle: Ernst Neweklowsky, OÖ. Heimatblätter, Jahrgang 16

Siehe auch:
Wikipedia: Perger Schwemmplatz