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Kühl-Vorsorge für den Sommer

Die lückenlose Kühlkette der Lebensmittel - was für uns heute vorgeschriebener und kontrollierter Standard ist, galt noch vor einigen Jahrzehnten als großer Luxus, vor allem im privaten Bereich: man wusste einen kühlen Keller und eine kühle Speis für die Bevorratung von Lebensmitteln und Most zu schätzen.


Brauereien, Wirte und Fleischhauer aber sorgten zusätzlich für heiße Sommer vor, indem die Kraft der winterlichen Natur genützt wurde.

Von Dezember bis Februar wurden die betriebseigenen Eiskeller gefüllt. Diese Eiskeller waren keine Erdkeller, sondern ebenerdig begehbar, innen in Blockhausbauweise mit Tannenholz ausgezimmert und mit Sägespänen zwischen Mauerwerk und Holz wärmeisoliert.

Das Eis lieferte die Naarn, man konnte sich ganz sicher darauf verlassen, denn die Winter waren regelmäßig sehr kalt.

Ab der Wehr bei der heutigen Dirneder-Mühle war der Fluss in Zonen eingeteilt, wo dann die berechtigten Gewerbebetriebe Eis brechen durften: Manner, Trauner (Wirt und Fleischhauer), Hofer-Wirt, die Brauereien Waldhör und Fries, Schmollgruber (Fleischhauer), die Bierniederlage in der Herrenstraße.

Das Eisbrechen brachte für viele Frauen und Tagelöhner ein willkommenes Zubrot. Zuerst wurde mit der Hacke ein Loch ins Eis geschlagen, um die Eissäge durchführen zu können. Die Säge war auf der unteren Seite mit einem Bleigewicht versehen, das für den Zug nach unten sorgte.

Sodann wurden parallele Streifen gesägt, diese quer zu Blöcken gehackt, mit einer langen Eiszange aus dem Wasser gezogen und auf Holztragen über eine angelegte Holztreppe zum Pferdefuhrwerk getragen. Der Keller wurde von oben mit Eis beschickt, das dann mit Holzschlägeln zerschlagen wurde. Zwischendurch wurde auch immer wieder Wasser aufgespritzt. Zum Schluss wurde das Eis mit Holz und Stroh abgedeckt.

Die Brauerei Seyr hatte drei eigene Teiche zum Eisbrechen und zwei Eiskeller. Über dem einen stand ein riesiges Holzgerüst, auf dem durch regelmäßige Berieselung Eiszapfen „gezüchtet“ wurden. Diese mannshohen Zapfen schlug man dann ab und ließ sei in den Keller hinuntergleiten – so konnte man eine Menge an Transport und Arbeit einsparen.